Bitte keine Gemeinschaftsschule!

(26.03.2012) Am vergangenen Donnerstag fand in der Auburg die CDU-Veranstaltung „(K)eine Gemeinschaftsschule für Mannheim!?“ statt. Organisiert war sie vom Arbeitskreis Bildung unter Leitung unserer stellv. Vorsitzenden und Stadträtin Rebekka Schmitt-Illert. Auf dem Podium votierten Herr Ebel als Vertreter des Schulamts und Herr Schuchardt als Rektor der Waldschule für die Gemeinschaftsschule; Frau Schmitt-Illert, Herr Kuhn als Vorsitzender des Landesverbands der Realschullehrer und der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Georg Wacker, nahmen die Gegenposition ein. Nach einer zweieinhalbstündigen Diskussion gab es einen klaren Punktsieg für die Gegner der Gemeinschaftsschule. Das pädagogische Konzept – also das gemeinsame Lernen der Schüler in demselben Klassenverbund von der 5. bis zur 10. Klasse, im Extremfall von der ersten bis zur 13. Klasse, also ohne Aufteilung nach Gymnasium, Realschule bzw. Werkrealschule – konnte niemanden überzeugen. Zwar erklärte die Schulverwaltung immer wieder, dass das Modell der Gemeinschaftsschule das bestehende differenzierte Schulsystem nur ergänzen, nicht ersetzen solle. Deshalb gebe es ab dem nächsten Schuljahr 2012/2013 landesweit auch nur 39 Starter-Gemeinschaftsschulen. Kritische Fragen konnten die Befürworter jedoch nicht beantworten: Warum bedarf es überhaupt der Gemeinschaftsschule, wo doch das bestehende differenzierte Bildungssystem deutschlandweit zur Spitzengruppe zählt, wohingegen die Bildungssysteme mit Gemeinschaftsschulen – zum Beispiel in Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein – im Gesamtvergleich wesentlich schlechter abschneiden? Kann die Gemeinschaftsschule für unsere Schüler gut sein, wenn ihre Einführung nur auf Kosten der Qualität der bisherigen Abschlüsse geht? Georg Wacker, der sehr kompetent und überzeugend wirkte, zeigte an mehreren Beispielen, dass die Gemeinschaftsschule deutlich gegenüber den anderen Schularten bevorzugt wird, insbesondere durch finanzielle Verlagerungen im Haushalt des Kultusministeriums. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die neue Landesregierung die Gemeinschaftsschule langfristig als Regelschule einführen will und schon jetzt die Weichen dafür stellt. Das Motiv dafür ist ideologischer Natur, weil man eine vermeintliche Chancengleichheit für wichtiger hält als die Qualität der individuellen Abschlüsse. Baden-Württemberg wird einen seiner gößten Standort-Vorteile verlieren. Ausbaden müssen dies die zukünftigen Schülergenerationen, wenn diese Entwicklung nicht bald gestoppt wird.