Eurokrise und die Entdeckung der Langsamkeit

(16.07.2012) Erst am 12. September 2012 wird das Bundesverfassungsgericht sein Urteil über die Eilanträge gegen den Rettungsfond ESM sowie den Fiskalpakt verkünden. Das ist deutlich mehr als die üblichen drei bis vier Wochen für eine Entscheidung über Eilanträge und ein klares Signal, sich von der Rettungshektik nicht anstecken zu lassen. Ein Rettungsgipfel jagt den anderen, jedes Rettungspaket ist schon wieder zu klein, ehe es verabschiedet ist. Dabei haben Hektik und Zeitdruck den Euro bislang nicht gerettet. Da ist es geradezu wohltuend, wenn sich das Bundesverfassungsgericht von der Mahnung zur Eile nicht beeindrucken lässt, sondern sich ausreichend Zeit für eine Entscheidung nimmt, ob Rettungs- und Fiskalpakte überhaupt noch mit unserer Verfassung zu vereinbaren sind. Was wir derzeit am meisten brauchen ist nicht Beschleunigung, sondern Entschleunigung, nicht Hektik, sondern Reflexion. Das wird auf Dauer die Qualität und Akzeptanz der Rettungsentscheidungen nur verbessern!