Woche der Wahrheit für das Osttadttheater!

(06.10.2012) Am Dienstag, den 09.10.2012, tagt der Gemeinderat mit brisanten Tagesordnungspunkten. Da geht es einmal um die Wahl eines fünften Bürgermeisters aus den Reihen der Grünen. Zusätzliche Kosten pro Jahr: ca. 620.000 Euro. Für die Oststadt/Schwetzingerstadt ist ein weiterer Punkt von größter Bedeutung: Was wird aus dem Oststadttheater, das bekanntlich seine alte Spielstätte – den Kahnweiler Saal im Mitzlaffbau der Kunsthalle – wegen des Neubaus für immer verlassen muss. Die Stadtverwaltung hat – auch auf Druck der CDU-Gemeinderatsfraktion – eine neue Spielstätte gesucht und bietet nunmehr den Bürgersaal im Stadthaus N1 als neue Bühne an. Dieser muss allerdings aufwändig umgebaut werden. Voraussichtliche Kosten: 2,1 Mio. Euro.
Auf seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag, 04.10.2012, hat der Kulturausschuss des Gemeinderats keine Entscheidung getroffen. Insbesondere SPD, FDP und Grüne haben eine Reihe kritischer Einwendungen erhoben, so dass eine Entscheidung vertagt wurde. Hauptkritikpunkt sind die Kosten, aber auch die „vorrangige“ Zuweisung des Bürgersaals an das Oststadttheater. Einzig die CDU-Fraktion unterstützte die Umzugs- und Umbaupläne für das Oststadt-Theater. Trotz des Gegenwindes sollten Carmen Linka und ihre Mannschaft die Hoffnung aber nicht aufgeben. Denn die Öffentlichkeit hätte kein Verständnis, wenn der Gemeinderat einerseits den ungeliebten fünften Bürgermeister wählt, andererseits aber den Tod des beliebten Oststadttheaters in Kauf nimmt. Einen solchen Imageschaden wird die SPD-Fraktion nicht riskieren und im Gemeinderat für die Umzugs- und Umbaupläne stimmen. Damit wäre die Mehrheit zusammen mit der CDU und wahrscheinlich auch der ML gesichert.

Zugegeben: 2,1 Mio. Euro für die Einrichtung einer neuen Spielstätte des Oststadttheaters sind eine Menge Geld. Mit diesem geschätzten Betrag soll der Bürgersaal – meist ein leerer Saal – theatertauglich umgebaut und aufgewertet werden. Die Filmfestspiele werden dort weiterhin stattfinden können, an zwei bis drei Tagen in der Woche soll auch weiterhin anderweitige Nutzung möglich sein.
Auch wenn sicher noch eine Reihe von Detailfragen zu klären sind, unterstützt die CDU-Fraktion dieses Vorhaben, und zwar aus guten Gründen:

  • Das Oststadttheater ist das zweitgrößte Theater in Mannheim mit 160 Vorstellungen und 30.000 Zuschauern pro Spielzeit.
  • Als kurpfälzisches Mundarttheater ist es in der Region und in der Bevölkerung außerordentlich beliebt.
  • Es lebt ohne jegliche öffentliche Fördermittel und zahlt sogar noch Miete an die Stadt.
  • Der Verlust der jetzigen Spielstätte im Kahnweiler Saal beruht auf einer Entscheidung der Stadt, so dass diese in der moralischen Verpflichtung steht, für eine neue Spielstätte zu sorgen.
  • Der Umzug in andere Spielstätten wurde geprüft, jedoch verworfen. Diese waren entweder ungeeignet oder der Umbau wäre noch teurer geworden, wie etwa der Umbau des alten Schwimmbades im Collini-Center (ca. 5,5 Mio. Euro).
  • Der Umbau des derzeit meist leer stehenden Bürgersaals in einen Theatersaal wird das gesamte Stadthaus N1 aufwerten und die derzeitigen Mieteinnahmen für den Bürgersaal vervielfachen.
  • Auch die Infrastruktur des Stadthauses wird am Erfolg des Oststadttheaters partizipieren, insbesondere die Gastronomie und das Parkhaus, und zwar auch finanziell.
  • Regelungsbedürftig erscheint insbesondere noch, was unter „vorrangiger Nutzung“ zu verstehen ist. Der Bürgersaal muss auch nach der Nutzungsänderung ein öffentlich-städtischer Saal bleiben mit der Möglichkeit, auch anderen Veranstaltern eine Bühne zu bieten.
  • Geht man von einem Nutzungsanteil des Oststadttheaters von 4/7 aus, dann werden die 2,1 Mio. Umbaukosten nicht in Höhe von 2,1 Mio. für das Oststadttheater investiert, sondern nur noch 4/7 davon, also 1,2 Mio. Euro. Und dieser Betrag wird durch Mieteinnahmen sowie durch eine Belebung des Stadthauses amortisiert, so dass der Umbau nicht eine verlorene Investition sein wird.
  • Und zuletzt: Die Zeit drängt. Das Oststadttheater muss spätestens im November 2013 den Kahnweiler Saal verlassen. In der Gemeinderatssitzung am 09.10. geht es erst einmal um die Bewilligung der Planungskosten. Erst wenn die Planung fertig ist, können die Baukosten bewilligt werden und erst danach kann mit dem Bau begonnen werden. Ein weiterer Aufschub könnte für das Oststadttheater lebensgefährlich werden.

Die Grünen sollten – wie im Kulturausschuss geschehen – nicht weiter auf die Vorlage einer Wirtschaftlichkeitsberechnung bestehen. Bei einem Vergleich mit der Wirtschaftlichkeitsberechnung des fünften Bürgermeisterpostens würde die Stadt sehr schlecht abschneiden. Daher meine Prognose: Der Gemeinderat wird die Investition bewilligen.